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EINE LITAUISCHE DREI IM FOTOHOF: EINE AUSSTELLUNG IN SALZBURG

Am 22. September präsentierte die Galerie Fotohof drei litauischen Künstler (trys = drei) Ugnius GELGUDA, Andrew MIKSYS und Indre SERPYTYTE. Die Künstler beschäftigen sich mit der Fotografie als Medium der eigenen, sowie der kulturellen und sozialen Identitätssuche. Die Ausstellung wurde von Kurator Andrew Phelps vorgestellt. Der Kulturminister der Republik Litauen Dr. Arūnas Gelūnas war anwesend. Die Ausstellung ist Teil eines umfangreichen Kulturprogramms in Salzburg mit KünstlerInnen aus Vilnius im Rahmen einer Städtepartnerschaft „Alte Liebe rostet nicht – Salzburg / Litauen 1970 – 2010“. Bis 13. November ist sie im Fotohof (Ehardplatz 3, Salzburg) zu sehen.

Andrew Miksys geht der Spur seiner 2006 fertig gestellten Porträtserie BAXT nach und zeigt daran, wie seine Fotografien von ihren Besitzern in den Wohnungen neu kontextualisiert wurden. Miksys befasst sich in dieser Serie mit dem nahezu mythischen Volk der Roma. Ca. 3000 Vertreter dieser Gruppe leben heute in Litauen, wo die Fotoserie in mehreren Roma-Siedlungen ab 1999 entstand.

Er zeigt ein von den Zeitläufen gleichsam unberührtes Volk. Menschen umgeben von obsolet gewordenen Versatzstücken des Sowjetregimes und kapitalistisch konnotierten Gegenständen in einer sich im Umbruch befindlichen Zeit. Ein Volk mit einer langen und leidvollen Geschichte und einer ausgeprägten Identität. Beides spiegelt sich in den Porträts wieder: die Zugehörigkeit zu einer Volksgruppe, die sich ihre Bräuche und Lebensart bewahrt hat und andererseits von der Umgebung assimiliert wurde. Miksys fragt nach den menschlichen Qualitäten und lässt eine Interaktion mit dem Fotografen spürbar werden. Die Schauplätze der Fotografien eröffnen eine Vielzahl von Bedeutungsebenen, die sie mit Ironie und Witz aufladen. Miksys beschönigt nicht und idealisiert nicht. Seine Qualität liegt in der Schnelligkeit, mit der er eine Verbindung zwischen sich und dem Protagonisten herstellt und eine Form des monumentalen klassischen Porträts generiert das gepaart ist mit liebevoller humoristischer Individualität.

Mit stillebenartigen, großformatigen Fotos der Serie „A state of Silence“ von hinterlassenen Gegenständen ihres Vaters, versucht Indre Serpytyte seinen mysteriösen Tod und die bisher unbekannte Identität als Geheimagent zu durchleuchten. Albinas Serpytis starb am 13. Oktober 2001 bei einem Autounfall. Die weiteren Umstände dieses Unglücksfalls bleiben im Dunkel. Die Künstlerin nimmt dieses tragische Ereignis zum Anlass einer umfangreichen Recherche, bei der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion nicht immer klar voneinander zu trennen sind. Die Antwort, ob es sich bei Albinas Serpytis tatsächlich um den Vater der Künstlerin, bzw. um einen Geheimagenten handelt lässt die Künstlerlin letztendlich unbeantwortet.

Gelguda befasst sich in der Serie „crimescapes“, mit Bildstrategien in litauischen Printmedien. Ausgewählte Bilder der Seiten „Verbrechen und Katastrophen“ aus litauischen Tageszeitungen bilden die Grundlage seines Arbeitsaufenthaltes in Salzburg. Gelguda interessiert sich für das Verhältnis von Text und Bild, das in den litauischen Zeitungsbeispielen kaum einen Zusammenhang hat. Die Abbildungen dienen nicht primär als Illustration der dazu gehörigen Schlagzeilen. Die im Text angeführten zeitlichen und örtlichen Bezüge finden keine Entsprechung in den Bildern. Gelguda stellt einzelne ausgewählte „settings“ solcher litauischen Zeitungsphotos in der Peripherie Salzburgs nach , er generiert dadurch eine neue Realitätsebene, die so jedoch nie stattgefunden hat. Auf die Rekonstruktion des Tatortes an einem völlig anderen Ort, folgt die Dokumentation, mit dem Ergebnis einer Reproduktion von simulierter Wirklichkeit.

Biografien:

Ugnius Gelguda, * 1977, Vilnius Academy of Fine Arts, 2000-2008. Lebt in Vilnius. www.ugniusgelguda.lt

Andrew Miksys, * 1969, Guggenheim und Fulbright Stipendien. Lebt in Seattle und Vilnius. www.andrewmiksys.com

Indre Serpytyte, * 1983 Litauen, Royal College of Art, London 2007-2009. Lebt in London. www.indre-serpytyte.com