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AUSSTELLUNG DER LITAUISCHEN FOTOGRAFIE IN INNSBRUCK

Am 9. September, Donnerstag, um 18.30 Uhr wird die Ausstellung FOUR POINTS. EIGHT POINTS in der Galerie Fotoforum West in Innsbruck, Adolf-Pichler-Platz 8, Innsbruck eröffnet. Das ist eine vergleichende Ausstellung des siebenten und achten Jahrzehnts des 20. Jahrhunderts und des Beginns das 21. Jahrhunderts, eine Begegnung mit Wertigkeiten, Zuständen, Grundsätzen, dem Sein, der fotografischen Schöpfung. Die Arbeiten von acht Autoren verschiedener Generationen in ihrem Aufeinanderprallen und ihrer Abgrenzung gegeneinander ergeben einen umfassenden Querschnitt des Lebens. Die wenigen sich abzeichnenden Parallelen könnten sich zu differenzierten Flugbahnen für jeden entwickeln. Die Stichwörter, die dem Betrachter vorgeschlagen werden, sollen ihm helfen, das Offensichtliche durch das Einbringen des eigenen Kontexts zu überwinden. Zur Ausstellung erscheint der Katalog.  Eintritt frei. Botschafter der Republik Litauen Giedrius Puodžiūnas, Ausstellungskuratorin Eglė Deltuvaitė, Fotokünstler Artūras Valiauga und Kulturattaché Rita Valiukonytė werden an dem Eröffnungsabend anwesend sein. Die Ausstellung wurde  gefördert durch die Kulturförderungsstiftung der Republik Litauen.

Foto Joana Deltuvaitė

FOUR POINTS. EIGHT POINTS

DER MENSCH. Der Humanismus, der die litauische Fotografie des späten 20. Jahrhunderts besonders prägt, ist schon lange, seit den klassischen Arbeiten von Antanas Sutkus, bestimmend. Der Mensch ist Protagonist des sorgfältig geschaffenen Wandels, das Gesicht des Zeitalters, das dem Fotografen/Psychologen einen offenen Blick zuwendet. Der Autor, der heute für die Forschung in den Schätzen seines Archivs lebt, hat seit mehr als einem Dutzend Jahre gesagt, dass das Ende seiner schöpferischen Arbeit im Verschwinden des Charakters dieser Arbeit liege. Diesen Charakter gibt es nicht mehr in der heutigen Gesellschaft...

Ironischerweise sind es die selben Ursachen, aus denen Arūnas Baltėnas, ein Fotograf der mittleren Generation seine intensive Kreativität bezieht. Baltėnas fotografiert die Angehörigen der ethnischen Regionen Litauens. Seine Menschentypen, verschwinden, Tag um Tag. Sie bleiben aber in seinen Fotografien voller Zuwendung und Frieden erhalten. Es ist wichtig für Baltėnas, Traditionen, Gebräuche, Werte und Lebensweisen, die sich in den winzigen, entlegenen Hütten, der unverfälschten Lebenswelt dieser Menschen erhalten, aufzuspüren und aufzuzeichnen.

Beide Autoren haben einen ähnlich unkritischen Blick auf den Menschen. Er ist für sie ein nicht hinterfragbarer Wert an sich, belegt in Fotografien als Zeugnis der sich wandelnden Zeiten.

WIRKLICHKEIT. Der litauische Klassiker Aleksandras Macijaukas ragt durch seine kritischen, ja rebellischen Ansichten über Leben und Kreativität heraus. In den sowjetischen Zeiten war sein einzigartiger künstlerische Ausdruck Ursache ständiger Kritik. Heute gehört er zu den wertvollsten Fotografen Litauens. Zwanzig Jahre lang hat Macijaukas die Märkte Litauens fotografiert. Nicht nur, um die Besonderheiten der „Wirtschaft“ der Sowjetära und den Alltag der Dorfmärkte zu untersuchen. Sondern auch, um die Identität, die Lebensart und die ethnischen Besonderheiten der Litauer darzustellen.

Identität ist auch das Leitmotiv Artūras Valiauga, dem brillanten Fotografen der mittleren Generation. Er bedenkt die Wirklichkeit des Menschen in den Zeiten der Marktwirtschaft mit einem ironischen und fragenden Blick auf die Beziehung Mensch/Ware, die im Zentrum der aktuellen Auseinandersetzungen in der heutigen Wirtschaft steht.

Macijaukas und Valiauga stimmen vor allem in ihrer Darstellung der ungeschminkten Wirklichkeit, ihrem einzigartigen, unverwechselbaren Stil und dem kritischen Denken über Beides überein.

ROMANTIK. Romualdas Rakauskas ein litauischer Fotografiepoet, ist unheilbar romantisch- im Leben und in der Kunst. Die inszenierten und ehrlichen Aufnahmen aus „Blooming“, einem Zyklus, an dem er zehn Jahre arbeitete, sprechen eine Sprache, die jeder Romantiker kennt: Frühling, Schönheit, Jugend, Liebe, Frau, Erfüllung, Poesie/Literatur... All das ist auch typisch für die Serie „In the mood for Love“ des jungen Künstlers und gelegentlichen Ziehharmonikaspielers Rokas Pralgaukas. Dieser Autor ist näher an seinen Motiven, seine Arbeit ist mehr von Melancholie, nicht-inszenierter Natürlichkeit getragen. In seinem Werk bedenkt seine Kunst direkt sein Subjekt und umgekehrt. Es scheint, alles wäre gleich geblieben, nur die Zeit ist fünfzig Jahre weitergegangen.

DAS SEIN. Algimantas Kunčius ist ein philosophischer Fotograf, ein Künstler mit genauen Ansichten über seine Umwelt und die Fotografie. Sein Zyklus „Reminiscences“ ist ein Blick auf die Welt, mit der sich der Autor umgibt, oder, um genauer zu sein – eine Analyse seines Selbst als eines Individuums in seiner nächsten Umgebung, mit ihr durch Fotografie verbunden. Die Fotografie von Joana Deltuvaitė ist Kunčius Zyklus durch die Art der Komposition verwandt, ebenso durch die Art, in der der Mensch ausgeschlossen bleibt, während über sein Sein und Alltagsleben, über das Vergehen der Zeit, und seine Zukunft in der Umwelt, die der Mensch heute belebt, gesprochen wird. Der Mensch ist abwesend in diesen Arbeiten, nur sein Besitztum und seine Umgebung ist sichtbar in Zerstörung und Schöpfung, ästhetisiert durch die Sprache der Fotografie.

Eglė Deltuvaite / Übersetzung: Rupert Rarl